Integrierte Gesamtschule Mühlenberg, Hannover

Neubau eines Schulgebäudes mit angeschlossenem Stadtteilzentrum

Fertigstellung: 2016
Baukosten: 63.000.000 €
Nutzfläche: 16.000 m²
Leistungen:

Brandschutzkonzept

Thermische Bauteilanalysen

Brandsimulationen

Beratung während der Ausführungsplanung

Prüfung der Ausführungs- und Werk- und Montageplanung

Bauüberwachung Brandschutz

Flucht- und Rettungspläne

Feuerwehrpläne

Brandschutzordnung Teil A bis C

Mängelmanagement

Brandfall-Steuermatrix

Entfluchtungssimulationen

Interaktionstests

Entwurf: dasch zürn architekten, Stuttgart

Neue Wege bei der brandschutztechnischen Beurteilung von Schulgebäuden

Die Integrierte Gesamtschule (IGS) Mühlenberg ist mit rund 2.000 Schülern und 170 Lehrerinnen und Lehrern die größte Schule der Niedersächsischen Landeshauptstadt. Aufgrund des erheblichen Sanierungsbedarfs des Bestandsgebäudes entschloss sich die Stadt zu einem Neubau des Schulkomplexes mit angeschlossenen Sportstätten, Versammlungsräumen und einem Stadtteilzentrum zur Unterbringung kultureller und sozialer Einrichtungen. Bei dem Realisierungswettbewerb überzeugte der Entwurf des Architekturbüros dasch zürn aus Stuttgart. Der Entwurf sah die Anordnung von sechs weitestgehend autarken Baukörpern vor. Neben vier rechteckigen Gebäuden mit Lichthöfen, die im Wesentlichen die Räumlichkeiten der Schule beherbergen, wurden eine Mensa und zwei 3-fach Sporthallen errichtet, von denen eine auch als Versammlungsraum mit rund 300 Besuchern genutzt werden kann. Darüber hinaus entstanden mit Aula und Foyer zwei weitere Versammlungsräume auf dem Gelände, die insgesamt rund 3.000 Personen fassen. Die Stadtteilnutzungen wie Stadtteilbibliothek, Kinder- und Jugendhilfe sowie Jugend- und Seniorenzentrum wurden in einem separaten Baukörper untergebracht, der sich analog zum Gebäude mit der Schulverwaltung zum zentralen Platz des Stadtteils – dem Mühlenberger Markt – hin orientiert und öffnet.

Mit der Realisierung des Bauvorhabens wurde Ende 2012 begonnen. Es wurde in zwei Bauabschnitten erstellt. Die Gebäude für die Schule und eine Sporthalle wurden im Frühjahr 2015, das Stadtteilzentrum, Aula und die zweite Sporthalle im Herbst 2016 fertiggestellt und in Betrieb genommen.

Pädagogisches Konzept

Das pädagogische Konzept der IGS Mühlenberg sieht neben einem Unterricht im Klassenverband die Möglichkeit des Lernens in unterschiedlichen selbstständigen Lerngruppen vor. Dies erforderte die Schaffung zusätzlicher Raumflächen, die den Schülern und Lehrer flexibel zur Verfügung stehen. Das Architekturbüro dasch zürn löste diese Anforderung durch die Anordnung von offenen Lernzonen in den einzelnen Geschossen. Die angestrebte Nutzung bedingt, dass von üblichen Raumstrukturen (Klassenräume und ungenutzte Flure/Verkehrsflächen) Abstand genommen wird. Die Flurflächen sollen vielmehr als erweiterte Lernfläche in die Nutzung einbezogen werden. Um das Konzept einer schülerfreundlichen und nutzernahen Umgebung umzusetzen, war eine weitgehende Reduzierung von Bauteilqualitäten und klassischen brandlastfreien Rettungswegen eine wesentliche Zielsetzung des Brandschutzkonzeptes. Möglich wurde dies durch den schutzzielorientierten Einsatz von Brandmelde- und Alarmierungstechnik.

CFD-Studien

Zur Sicherstellung der erforderlichen zwei baulichen Rettungswege erhielten die einzelnen Schulhäuser zusätzlich jeweils eine Außentreppe. Gemäß den gültigen Verordnungen ist die Führung eines Rettungsweges über Außentreppen zulässig, wenn eine Benutzung im Brandfall nicht gefährdet wird. Grundsätzlich kann die Benutzung der notwendigen Treppenräume als Rettungsweg als gesichert betrachtet werden, wenn die durch einen Brand resultierende thermische Belastung begrenzt bleibt. Dies wurde im Rahmen von CFD-Studien nachgewiesen.

Thermische Bauteilanalyse

Eine der beiden 3-fach-Sporthallen der IGS Mühlenberg erhielt für größere Sportveranstaltungen eine Zuschauertribüne mit 300 Besucherplätzen und ist aus diesem Grund als Versammlungsstätte einzustufen. Die Tragwerksplanung sah für das Dachtragwerk zunächst eine Ausführung als sichtbare Stahlkonstruktion vor. Aus wirtschaftlichen und optischen Gründen war eine Bekleidung bzw. ein Anstrich der Konstruktion in der erforderlichen Qualität F30 nicht gewünscht. Unter Berücksichtigung der geringen Brandlastbelegung sollte mit Hilfe von Brandschutzingenieurmethoden überprüft werden, ob die Stahlkonstruktion des Daches bei Naturbrandbeanspruchung eine Feuerwiderstandsdauer von mindestens 30 Minuten erreicht und das erforderliche Schutzziel erfüllt wird.

Im Rahmen einer thermischen Bauteilanalyse wurde die Berechnung des zeitlichen Temperaturverlaufs mit dem Mehrraum-Zonenmodell CFAST durchgeführt. Dabei konnte nachgewiesen werden, dass die berechnete maximale Bauteiltemperatur über die gesamte Dauer des Brandes deutlich unterhalb der kritischen Temperaturen liegt. Auf eine Ertüchtigung der Stahlbauteile durch Anstriche oder Bekleidungen hätte aus diesem Grund verzichtet werden.

 

Der Neubau der IGS Mühlenberg setzt Maßstäbe bei der Größe und Umsetzung pädagogischer Anforderungen von Schulgebäuden und der architektonischen Qualität öffentlicher Gebäude. Das Brandschutzkonzept trägt diesem Umstand Rechnung und macht mit Unterstützung der Genehmigungsbehörden über ingenieurmäßige Nachweisverfahren und den schutzzielorientierten Einsatz von baulichem und anlagentechnischem Brandschutz eine kostenoptimierte und nutzerfreundliche Umsetzung möglich.

Dies überzeugte auch die Fachjury des Feuertrutz-Verlags unter Vorsitz von Herrn Thomas Kempen, der das Brandschutzkonzept mit dem „Brandschutz des Jahres 2014“ für das beste Brandschutzkonzept auszeichnete.

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